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Report 26th Annual Meeting ERF

 

Die Rolle der Kirchen seit der sozio-politischen Wende
vor 25 Jahren in Europa und ökumenisch-theologische
Überlegungen zum Gerechten Frieden
Tagungsbericht der Arbeitsgemeinschaft
Ökumenische Forschung
(14.‒16. November 2014)

 

 

 

25th Annual Meeting of the ERF
Missionsakademie, Universität Hamburg
Nov 8-10, 2013


Der Beitrag der Ökumene zur theologischen Ausbildung

 

 


AÖF-ERF Committee:

Joshua T. Searle (Ukraine)
Irena Zeltner-Pavlovic (Deutschland)
Florian Tuder (Österreich)

Claudia Hoffmann (Schweiz)

 

Tagungsbericht:

 

 

Von 8. bis 11. November 2013 traf sich die Arbeitsgemeinschaft Ökumenische Forschung / Ecumenical Research Forum (AÖF-ERF) in Hamburg zu ihrer 25. Jahrestagung unter dem Thema „Der Beitrag der Ökumene in der Theologischen Ausbildung.“

 

Das Besondere an dieser Tagung war nicht nur, dass ein Jubiläum gefeiert wurde, sondern, dass abermals junge ÖkumenikerInnen aus den verschiedensten Teilen Europas (und wenn man die Ursprungsländer der TeilnehmerInnen berücksichtigt, sogar aus der ganzen Welt) zusammengekommen sind, um über das Tagungsthema und darüber hinaus ins Gespräch zu kommen. Neben der akademischen Auseinandersetzung mit dem Thema kam vor allem auch der in der Ökumene genauso wichtige persönliche Austausch nicht zu kurz. VertreterInnen einer Vielzahl von Konfessionen (Römisch-katholisch, baptistisch, evangelisch-reformiert, orthodox, mennonitisch, evangelisch-lutherisch, hussitisch, anglikanisch) aßen zusammen, beteten zusammen und stießen miteinander an. Wie jedes Jahr im Laufe der Geschichte der AÖF-ERF, wurde diese Vielfalt immer als bereichernd und anregend empfunden.

 

 

 

Genauso verhielt es sich auch mit den Hauptreferaten, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven dem Tagungsthema näherten. Am Freitagabend sprach Prof. Dr. Ivana Noble, Professorin am Ökumenischen Institut der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karls-Universität und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Internationalen Baptistisch-Theologischen Seminar in Prag sowie Pfarrerin der hussitischen Kirche, aus hussitischer Sicht über das Verhältnis von Ökumene und Theologischer Ausbildung. Noble beleuchtete das Tagungsthema von den Spaltungen der Kirchen her und untersuchte den Zusammenhang zwischen den dadurch entstandenen Überlieferungen und den daraus folgenden Schwerpunktsetzungen innerhalb der Theologie. Sie teilte die Schismata in historische und intentionale Trennungen, die auf ihre Weise auf die theologische Ausbildung Einfluss nahmen. Die Arbeit an diesen Herangehensweisen, deren Konsequenzen und ihren Wert für die theologische Ausbildung aus einer ökumenischen Perspektive beschrieb Noble als zentral. Eine Folge dieses Ansatzes sei auch, sich Gedanken über neue methodologische Ansätze zu machen, welche den ökumenischen Dialog und seinen Niederschlag in der theologischen Ausbildung antreiben könnten.

 

 

 

Prof. em. Grigorios Larentzakis, lehrte über 40 Jahre an verschiedenen österreichischen theologischen Fakultäten und europäischen Forschungseinrichtungen orthodoxe und ökumenische Theologie. Als Initiator des sogenannten „Grazer Prozesses“ gilt er als profunder Kenner der europäisch-ökumenischen Hochschullandschaft. Larentzakis näherte sich dem Thema der Tagung in seinem Vortrag am Samstagvormittag von einer praktischen und grundlegenden Seite. Im Zusammenspiel zwischen theologischer Ausbildung und Ökumene ist für ihn vor allem die ökumenische Gesinnung jedes Einzelnen von großer Bedeutung. Ohne eine positive Grundhaltung dem Anliegen der Ökumene gegenüber, sei ein Gelingen nicht möglich. Um eine solche Grundhaltung an Studierende zu vermitteln, sollten LehrveranstaltungsleiterInnen dazu angehalten werden, ihre Lehrveranstaltungen mit ökumenischem Geist vorzubereiten und durchzuführen (v.a. Kirchengeschichte, Kirchenrecht, Pastoraltheologie aber auch Dogmatik). Andernfalls besteht die große Gefahr, dass tendenziöse oder gar falsche Darstellungen an die Studierenden weitergegeben werden und dadurch ökumenische Gräben nicht nur nicht geschlossen, sondern auch vertieft werden könnten. Die ökumenische Arbeit an den gemeinsamen Quellen des Glaubens, sowie die ständige Anstrengung im Rezeptionsprozess von ökumenisch bereits Erreichtem waren ebenfalls zentrale Punkte von Larentzakis‘ Referat.

 

Im Anschluss an beide Hauptreferate erhielten die TeilnehmerInnen die Möglichkeit in die Diskussion mit den HauptrednerInnen einzutreten, was auch lebhaft genutzt wurde. Verschiedenste inhaltliche Zugänge aber auch terminologisch unterschiedliche Auffassungen zu bestimmten Themen wurden hier deutlich, nichtsdestoweniger aber als bereichernd und herausfordernd von allen Seiten wahrgenommen.

 

 

 

Im Anschluss an das Referat am Samstag, standen Projektvorstellungen im Vordergrund. Acht Projekte wurden während je einer Stunde vorgestellt und diskutiert. Ein Ziel der Arbeitsgemeinschaft Ökumenische Forschung ist es, den Austausch über laufende oder geplante Forschungsvorhaben im Bereich ökumenischer Theologie zu pflegen. Die Arbeitsgemeinschaft bietet eine Plattform, sich in zum Teil sehr spezialisierten Forschungsfragen einschlägig zu vernetzen. Oftmals arbeiten junge WissenschaftlerInnen an Themen, die an ihren Heimatfakultäten isoliert dastehen. Die Jahrestagungen der AÖF-ERF bieten diesen ForscherInnen die Möglichkeit, die vielfältigen Forschungsbereiche ökumenischer Arbeit vorzustellen und zu diskutieren. Gerade für exotischere Projekte ist es besonders wichtig, Netzwerke aufzubauen, die sich ebenfalls akademisch mit ökumenischen und missionswissenschaftlichen Fragen auseinandersetzen.

 

 

 

Die Projektvorstellungen haben einen Forumscharakter. Projekte unterschiedlichster Fragestellungen und methodischen Ansätzen können vorgestellt werden. Ökumenisch-geschichtliche, interkonfessionelle aber auch interkulturelle Perspektiven können eingebracht werden. Dadurch zeigt sich, welche Themen und Forschungsbereiche unter den Sammelbegriff ökumenisches Forschen fallen können.

 

So wurden dieses Jahr Forschungsfragen besprochen, die sich beispielsweise mit der Frage nach der Rolle der Ökumene und ihrem Einfluss auf die orthodoxe theologische Ausbildung auseinandersetzten, aber auch Projekte, die sich mit der „Transkulturation in Mittelkalimantan- Das Totenfest (Tiwah) am Kahayan“ beschäftigten. Weitere Projektvorstellungen kamen aus dem Bereich der alten Kirchengeschichte („Bildung im Spannungsfeld der Spätantike. Der heidnische Rhetor Libanios und sein christlicher Schüler Basilios von Cäsarea“) oder der politischen Theologie („The church as a non-familial political body: A conversation between Hannah Arendt, Dietrich Bonhoeffer and Dumitru Staniloae“). Auch die Rolle der orthodoxen Kirchen in den Medien bzw. die theologische Ausbildung und die Mission der baptistischen Kirche in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion oder auch die Entwicklung der ökumenischen Bewegung in Myanmar wurden als Forschungsfragen präsentiert und besprochen.

 

 

 

Am Samstagabend wurde die Jahrestagung nochmals gemeinsam reflektiert, zwei neue Mitglieder wurden ins Fortsetzungskomitee gewählt (Joel Driedger, Deutschland, und Michaela Kusnierikova, Slowakei) und zwei „alt-gediente“ Komiteemitglieder (Joshua T. Searl, UK, und Irena Zeltner-Pavlovic, Deutschland) mit großem Dank für alles Engagement verabschiedet.

 

Der Sonntag bildete den Abschluss der Tagung. Nach der Teilnahme am evangelischen „Gedenkgottesdienst zum 9. November 1938“ in der nahegelegenen Kirche Hamburg-Nienstedten und einem Gespräch mit der Jugendreferentin Ina Riedel, besuchte die Gruppe das Grab der Theologin Dorothee Sölle. Ein gemeinsames Mittagessen bildete schließlich den Abschluss der Tagung.

 

 

 

In wenigen Tagen ökumenische Vielfalt möglichst fruchtbar erleben, so ähnlich könnte man die Jahrestagungen der AÖF-ERF zusammenfassen. Das Zusammenspiel der Hauptreferate renommierter ÖkumenikerInnen, die kollegialen und konstruktiven Projektpräsentationen und - vielleicht heutzutage das Wichtigste in der Ökumene - das gegenseitige Kennenlernen beim Essen oder einem Glas Wein sind wohl die zentralen Gründe, warum seit nun 25 Jahren die AÖF-ERF jährlich zusammenkommt und Menschen mit vielfältigen Hintergründen zusammenbringt.

 

 

 

Seit 1988 bringt die Arbeitsgemeinschaft Ökumenisches Forschen Studierende und Forschende im Bereich der Ökumene- und Missionswissenschaft zusammen.Und zwar aus ganz Europa, manchmal sogar aus Übersee. Jedes Jahr findet eine Jahresversammlung statt, die jeweils unter einem bestimmten Thema steht, das im Jahr zuvor von den Teilnehmenden vorgeschlagen und von einem vierköpfigen Komitee ausgearbeitet wird.

 

Die nächste Jahresversammlung wird vom 14.-16. November 2014 in Hamburg in der Missionsakademie stattfinden.