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Herzliche Einladung zur 28. Jahrestagung 21.-23. Oktober 2016

 

Herzliche Einladung zur 27. Jahrestagung 20.-22. November 2015

 



 

 

Das 26. Jahrestreffen der Arbeitsgemeinschaft Ökumenische Forschung (AÖF)

Die Rolle der Kirchen seit der sozio-politischen Wende
vor 25 Jahren in Europa und ökumenisch-theologische
Überlegungen zum Gerechten Frieden

Erschienen in der Ökumenischen Rundschau 64 (1/2015), S. 111-115.


Tagungsbericht der Arbeitsgemeinschaft
Ökumenische Forschung
(14.‒16. November 2014)

Die 26. Jahrestagung von AÖF/ERF (Ecumenical Research Forum) fand
wieder in der Missionsakademie in Hamburg statt und erfreute sich auch in
diesem Jahr reger internationaler und gemischt-konfessioneller Beteiligung.
Die geladenen Referenten setzten sich insbesondere mit den Herausforderungen
von Ökumene im Spannungsfeld unserer Zeit auseinander, während
die Teilnehmenden ihre je eigenen Forschungsprojekte zur Diskussion
stellten.

Die Möglichkeiten und Aufgaben von Ökumene in der Welt von heute
wurden von sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet: Das erste Impulsreferat
hielt Prof. Turij, Kirchenhistoriker an der Ukrainisch-Katholischen
Universität in Lemberg. Er behandelte das Thema „Die Rolle der Kirchen
seit der sozio-politischen Wende vor 25 Jahren in Europa und ihre
aktuellen Herausforderungen“ und wies auf die wichtige Rolle der christlichen
Traditionen für die Kultur der Ukraine hin. Dabei ging er auf die
Religionspolitik Stalins und die historischen Entwicklungen seit 1989 innerhalb
der Ukraine ein. Er zeigte anschaulich, wie eng politische, gesellschaftliche
und religiöse Herausforderungen und Konflikte beieinander liegen.

Die religiöse Vielfalt innerhalb der Ukraine seit den 1980er Jahren
und das Phänomen der heutigen bunten Religiosität in der Ukraine stellte
er in einen Gegensatz zu den staatsrechtlichen Regelungen, die seit der Sowjetzeit
gegenüber den Kirchen ausstehen. Die politischen und kulturellen
Verläufe der letzten Jahre, die großen Einfluss auf die Kirchen in der
Ukraine ausübten, wurden von Turij ausführlich behandelt. Die Zusammenhänge
waren für die Teilnehmer, die sich für die aktuellen Konflikte in
der Ukraine interessieren, von großer Relevanz. Prof. Turij schaffte es, den
Bogen zwischen historisch-politischen Spannungen und aktuellen Problemen
aufzuzeigen und damit eine große Diskussionsbereitschaft zu wecken.

Das zweite Impulsreferat wurde am Samstagvormittag von Dr. Uta Andrée
gehalten, die seit 2012 geschäftsführende Studienleiterin an der Missionsakademie
in Hamburg ist. Sie befasste sich mit dem Thema „Ökumenisch-
theologische und ethische Überlegungen zum Gerechten Frieden“,
und gab zu bedenken, dass sie sich bei diesem Thema selbst „auf einer
Reise befände, die noch lange nicht zu Ende sei“. Die Frage, die sie auch an
die Zuhörer richtete, lautete: „Inwieweit muss Kirche sich mit den realen
Gegebenheiten einer Welt, in der Krieg, Hunger und Ungerechtigkeiten an
der Tagesordnung sind, auseinandersetzen?“ Bei ihrem Vortrag verwies Andrée
auf das Konzept des „gerechten Krieges“, wie es in der Confessio Augustana
vorkommt. Das Engagement für Frieden, Umweltschutz und die
Frage nach dem Schutz von Minderheiten und gerechtfertigten Gründen
für eine andere Weltordnung steht nach Auffassung Andrées nicht im Gegensatz
zu einer Überlegung, was ein gerechter Krieg ist oder sein könnte.

Im zweiten Teil ihrer Präsentation legte die Referentin den Schwerpunkt
auf die konstruktive Erhaltung des Friedens, zu dem auch Dorothee Sölle
mahnt: Die Lebensgrundlagen aller Menschen sind von Interesse, nicht die
Kategorien von Angriff und Verteidigung, wie sie nach dem 11. September
2001 verwendet wurden. Zuletzt wurde der Aufruf des Weltkirchenrats
aus dem Jahr 2011 zitiert, Frieden innerhalb der Gemeinschaft, mit der
Erde, in der Wirtschaft und zwischen den Völkern als Ziele der gesamten
Christenheit anzusehen.


In der anschließenden Diskussionsrunde sprachen sich zahlreiche Teilnehmer
gegen ein Konzept des „gerechten Krieges“ und für ein Wirken zur
Erhaltung des Friedens aus. Jede kriegerische Parteinahme müsse vermieden
werden, da sie der Grundbotschaft des Christentums „Liebe deinen
Nächsten“ und deren Steigerung „Liebet Eure Feinde“ diametral entgegengesetzt
sei. Dennoch müsse der christliche Glaube sich mit den Realitäten
der Welt auseinandersetzen, gaben andere Teilnehmer zu bedenken.

Neben den Impulsreferaten standen die Präsentationen von ökumenisch
orientierten Nachwuchswissenschaftlern im Fokus der Jahrestagung
der AÖF. In diesem Jahr gab es besonders zahlreiche Themen, die in
Deutsch und Englisch vorgetragen wurden.
Insgesamt neun Projektvorstellungen wurden parallel in vier Blöcke
aufgeteilt, einmal wurden sogar drei Beiträge zeitgleich vorgestellt. Während
einer Stunde wurden die Themen nach einer kurzen Einführung diskutiert
und vertieft.

Die Vielfalt der Beiträge in den Präsentationen der Nachwuchswissenschaftler
unterschiedlichster Konfessionen zeigte die große Spannbreite
der Traditionen und Perspektiven der Tagungsteilnehmer auf. Diese setzten
sich unter anderem mit theologischen, politischen, philosophischen, historischen,
soziologischen und missionswissenschaftlichen Fragestellungen in

ihren Projektvorstellungen auseinandersetzten.
Maria Augustdottir aus Island sprach über „Ecumenical Theology and Sociology
of Ecumenism“, während Claudia Hoffmann sich dem Thema „Das
Totenfest Tikwah in Mittelkalimantan, Indonesien“, zuwandte. Sowohl die
Zweisprachigkeit als auch die sehr unterschiedliche Ausrichtung der jeweiligen

Vorträge wurden von den Tagungsteilnehmern geschätzt. Im Anschluss an die Vorträge kam es zu konstruktiven Diskussionen. In der zweiten Runde
der Präsentationen am Samstagvormittag setzte sich Stefanita Barbu mit dem
Thema „The Orthodox–Roman Catholic Relations before and during the Second
Vatican Council and the Question of Papal Primacy“ auseinander. Dabei
hatte er als orthodoxer Theologe einen ganz eigenen Blick auf die historischen
und theologischen Zusammenhänge. Kristýna Pilecká widmete sich
dem Thema: „Die friedliche Weltordnung aus der Perspektive des Bahá‘í
Glaubens und des Projektes Weltethos“, zudem befasste sich John Berry mit
der Thematik „Ecumenism and Mysticism: Insights from Augustine and Jaques
Derrida“. Die sehr unterschiedlichen Themen forderten die Teilnehmer
heraus, die Perspektive zu wechseln und kontrovers über die Fragestellungen,
Methoden und Ansätze der Forschungsprojekte zu diskutieren.
Im Anschluss sprach Michaela Kušnieriková über „Christian Politics in
the Discourse on Homosexuality in Slovakia“. Sie untersucht die offiziellen
christlichen Erklärungen zum Thema Homosexualität und hinterfragt die
christlichen Identitäten, die diese Dokumente befördern. Hanne Lamparter
bot eine Einführung in die Entwicklungen der Ökumene der letzten Jahrzehnte:
„Die Rolle des Gebetes/Gottesdienstes in der Ökumenischen Bewegung.“
Die anschließende Diskussion mündete in der Reflexion, wie das
gemeinsame Gebet innerhalb ökumenischer Begegnungen gestaltet werden
könne. Die abschließenden Projektvorstellungen am späten Nachmittag
weiteten noch einmal den Horizont für die Teilnehmer. Joshua Searle
stellte sein Thema „The Doctrine of the Resurrection and the Mission of
the Church“ vor. Zur selben Zeit sprach Rebecca Wellmann über „Doing
Ecumenism in a Multicultural Way“ und ging insbesondere auf die Situation
der Ökumene in Malta ein.


Ziel der Tagung ist es, junge Nachwuchsforscher einerseits für ökumenische
Themen zu sensibilisieren und den Blick zu weiten und andererseits
eine Möglichkeit zu bieten, eigene Forschungsschwerpunkte vorzustellen,
die oft jenseits des mainstreams angesiedelt sind. Die un voreingenommenen
Reaktionen sowie die unterschiedlichen Methoden und Traditionen
können sehr fruchtbar für die eigene akademische Arbeit sein. Dadurch
unterscheidet sich diese Tagung von anderen Fachtagungen, die eher
themenspezifisch arbeiten.

Neben dem wissenschaftlichen Austausch gab es auch die Möglichkeit,
während der gemeinsamen Mahlzeiten in der Missionsakademie oder bei
einem Spaziergang an der Elbe über die Herausforderungen von Christen
in der Gegenwart zu sprechen. Oft stellten die Teilnehmer fest, dass trotz
ihrer unterschiedlichen Traditionen und Auffassungen doch das Verbindende
in der christlichen Identität überwiegt.


Die Abende wurden ausgiebig genutzt, die diskutierten Themen zu
vertiefen, persönliche Gespräche zu führen und durchaus kontrovers und
lebhaft über strittige Fragen wie das Menschenbild in den verschiedenen
theologischen Traditionen zu reden. Dabei gab es weder Denkverbote noch
Feindseligkeiten. Die Gespräche waren von einem besonderen Geist der
Ökumene geprägt, da alle Teilnehmer an einem Miteinander des Austausches
und der Versöhnung interessiert waren.


Der Abschluss der Tagung fand in der Hamburger Hafencity statt, wo
alle Teilnehmer zu einem ökumenischen Gottesdienst in der Kapelle des
Ökumenischen Forums eingeladen wurden. Die Gestaltung der Kapelle
verbindet verschiedene Elemente christlicher Traditionen wie eine Reliquie,
eine Ikone, eingravierte Bibelverse und ein schlichtes Holzkreuz, die
nach der gemeinsamen Feier von der reformierten Pfarrerin Antje Heider-
Rottwilm erklärt wurden. Bei einer Führung durch das Haus wurde den Tagungsteilnehmern
das Wohnkonzept des Gebäudes erklärt: In einer offenen
Wohngemeinschaft leben Menschen miteinander, die auf der Suche
nach neuen Lebenskonzepten sind. 19 christliche Kirchen aus der Arbeitsgemeinschaft
christlicher Kirchen in Hamburg haben einen Raum der Begegnung
geschaffen, der auch die Möglichkeit des Austausches, ein Café
mit integriertem Verkauf von Fairtradeprodukten und zahlreiche Informationen
miteinander verbindet.


Gemeinsam wurde über mögliche Themen für die kommende Sitzung
diskutiert und zwei neue Mitglieder für das Fortsetzungskomitee wurden
gewählt. Stanislau Paulau aus Weißrussland, derzeit in Göttingen, und
Claudia Rimestad aus Erfurt werden gemeinsam mit Michaela Kušnieriková
und Joel Driedger die 27. Jahrestagung der AÖF/ERF im kommenden Jahr
vorbereiten. Claudia Hoffmann und Florian Tuder wurden aus dem Fortsetzungsausschuss
verabschiedet, in dem sie mit viel Engagement zwei Jahre
wirkten.


Die 27. Jahrestagung der AÖF/ERF wird vom 20. bis 22. November
2015 in der Missionsakademie in Hamburg stattfinden. Thema und Referenten
werden vom Fortsetzungsausschuss festgelegt bzw. eingeladen. In jedem Fall soll es wieder einen bunten Austausch unterschiedlicher Themen und Sichtweisen geben, die durch verschiedene akademische und kulturelle
Traditionen gegeben und für diese besonderen Tagungen von großem
Wert sind.

Claudia Rimestad


(Claudia Rimestad studierte katholische Theologie in Erfurt und
Lille. Sie schließt derzeit ihr Studium der Religionswissenschaft an
der Universität Erfurt ab und ist Mitglied des Fortsetzungskomitees
der Arbeitsgemeinschaft Ökumenische Forschung [AÖF]).
Dokumente und Berichte